Die ideale Weide

Es ist von größter Bedeutung, dass junge Pferde sich viel bewegen und ausgeglichen fressen. Das tun sie auf der Weide, ihrem natürlichen Lebensraum. Aber wie sieht die ideale Weide aus? Wir stellten die Frage Marcel Vossen (74) aus dem Pajottenland, einem Bio-Ingenieur, der sein Leben der Weide widmete. Vossen ist früherer Direktor der „Agentschap Natuur & Bos“ und führte vorher als Ingenieur zahllose Versuche mit Grassorten entlang öffentlicher Straßen, auf großen Rasenflächen, in Parken und an Rabatten durch. Die Kenntnis wandte er auch auf seinen eigenen Weiden an. Marcel ist nämlich auch Züchter von Brabanter Kaltblütern und Warmblutpferden.

Eine Kuhweide ist Gift für junge Pferde

Marcel Vossen macht gleich einen deutlichen Unterschied zwischen einer Weide für Kühe und einer für Pferde: „Kuhweiden fallen unter den Begriff intensive Viehzucht, die Weiden werden mit Gülle behandelt und enthalten dadurch viel Stickstoff und Phosphor, was für junge Pferde verhängnisvoll ist. Ich nenne es sogar Gift. Es befinden sich zuviel Eiweiße und Zucker im Boden. Wenn man solche Weiden von Pferden beweiden lässt, werden sie zu schwer im Verhältnis zu ihrem jungen Knochengerüst. Wir alle kennen die Probleme, die damit in ihrem Wachstumsprozess verbunden sind. Bei Kühen ist das eine andere Geschichte, weil sie die aufgenommene Energie direkt in Milchproduktion umsetzen. Kuhweiden werden aus diesem Grund intensiv gedüngt, aber machen Sie das nicht, wenn Sie Pferde grasen lassen. Ich bin gegen Gülle. Für Pferdeweiden ist sie wirklich nicht gut. Alle drei Jahre darf man es schon machen, wenn man danach erst Heu macht, ehe man Pferde darauf grasen lässt. Nach dem Heuen sind die meisten Inhalte aus der Gülle weg. Und bei der Nachweide ist es ein geringeres Problem. Ich bin ein Befürworter von ausgeglichener Düngung. Konkret muss man nach einem guten Verhältnis zwischen den Elementen N-P-K streben: Stickstoff, Phosphat und Kalium. Das ist die Basis. Es ist auch interessant, alle zwei bis drei Jahre mit Kalkcyanamid zu düngen, weil man dann im Frühjahr eine Anzahl Kräuter und die Würmer trifft, die aus dem Mist kommen. Die Würmer werden durch Kalkcyanamid getötet. Achten Sie darauf, dass Sie dann nicht zu stark düngen, maximal 400 bis 500 kg pro Hektar. In Kalkcyanamid befindet sich auch Stickstoff, aber in einem guten Verhältnis für den Graswuchs“.

Prüfen ist Wissen

Wenn man eine gute Pferdeweide anstrebt, beginnt alles mit einer Bodenanalyse. Prüfen ist Wissen, sagt der Ingenieur: „Eine Bodenanalyse kostet kein Geld und ist die Basis von allem. Vorhandene Elemente wie Phosphat, Kalium, Magnesium, Eisen etc. müssen sich verbinden. Und dazu muss ihr Verhältnis richtig sein. Ich erspare Ihnen die technische Erklärung und die richtigen Werte. Das wird Ihnen bei einer Bodenanalyse angegeben. Anhand der Ergebnisse können Sie Ihr Weideland bearbeiten. Dabei ist der PH-Wert oder Säuregrad die Basis. Und Kalk hat zum Beispiel die Eigenschaft, den Boden weniger sauer zu machen. Durch eine Bodenanalyse kann man beisteuern und eventuell zufügen. So kommen Sie zu einem perfekten Verhältnis zwischen Stickstoff, Phosphat und Kalium. Spurenelemente wie Magnesium und Eisen müssen ebenfalls vorhanden sein. Pferde nehmen die Nahrungselemente über das Gras auf und das Gras holt sie aus dem Boden. Auf einer idealen Weide wird wenig Stickstoff benötigt. Und wenn Sie ihn einsetzen, tun Sie es auf Ihrem Heuland. Auf der Nachweide ist der Stickstoff größtenteils weg. Und lassen Sie auf der Weide aber einige Kräuter wachsen, so dass man die Spurenelemente mitbekommt. Und sorgen Sie dafür, dass Ihre Weide nicht zu sauer wird. Ein PH-Wert, der zwischen 6,5 und 7 liegt, ist ideal. Die Düngung nehmen Sie im Frühjahr abhängig von der Temperatur vor, und das bedeutet ab sechs Grad. Wenn die Temperatur zu niedrig ist, wächst Ihr Gras nicht und nimmt somit auch keine Düngestoffe auf“.

Bei Lehmboden urteilt Vossen, dass eine Bodenanalyse alle zehn Jahre genügt. Wenn Ihre Weide eher auf Sandboden liegt, rät er zu einer Kontrolle in fünfjährigem Rhythmus.

Vossen wiederholt es: Prüfen ist Wissen, schließlich kann man es nicht sehen, erklärt er. Aber dennoch stellen wir fest, dass sein Kennerauge eine Weide gut einschätzen kann. Vossen lächelt: „Natürlich lernt man durch Erfahrung, Grasländereien zu beurteilen, und man kann am Vorhandensein verschiedener Pflanzenarten erkennen, wie der Boden zusammengestellt ist. Wenn ich an Weideland vorbei fahre, kann ich sehen, mit welchen Produkten er gedüngt ist. Überdüngung und manchen Nachholbedarf sieht man auch mit dem bloßen Auge. Löwenzahn zum Beispiel darf auf einer Pferdeweide vorhanden sein, aber zuviel Löwenzahn deutet auf Übergrasung hin. Das Gras verschwindet und der Löwenzahn nimmt seinen Platz ein. Wir bezeichnen ihn als Pionierpflanze. Wenn Sie extrem viele Butterblumen sehen, können Sie sicher sein, das Ihre Weide zu sauer ist. Lassen Sie dann eine Bodenanalyse machen. Weißer Klee entwickelt sich auf einem armen Boden. Löwenzahn, Butterblumen, weißer Klee, Gänseblümchen – sie alle dürfen auf Ihrer Weide vorhanden sein, es sind hervorragende Kräutergemenge. Nur darf keine dieser Pflanzen überherrschend sein. Es ist nicht anders als beim Menschen: streben Sie nach einem variierten Gleichgewicht in ihrem Nahrungsmuster. Manchmal hört man, dass kein Unkraut auf einer Weide sein darf. Das Gegenteil ist wahr. Es gibt viele Kräutergemenge, die Spurenelemente mit günstigen Effekten enthalten“.

Disteln

„Ein paar Disteln machen keinen Ärger, aber beseitigen Sie die doch. Lassen Sie die sicher nicht blühen, denn dann werden sie vorherrschend, und das ist für Ihre Weide fatal. Die weißen Bällchen, die Sie jetzt überall sehen, sind Distelsamen, und der fliegt mit dem Wind kilometerweit. Wenn Sie auf Ihrer Weide viele Disteln und Nesseln haben, hat das Gras keine Möglichkeit zum Wachsen“.

Eine Pferdeweide ist eine Kräuterweide

Die Zutaten für ein ausgeglichenes Buffet sitzen im Boden, und der variiert von Gegend zu Gegend. Es gibt Regionen mit Sandgrund und Lehmgrund, die ihre spezifischen Eigenschaften und Zusammenstellungen haben. „Man muss nach dem perfekten Boden streben, aber was zuviel im Boden steckt, bekommt man nicht heraus. Phosphate zum Beispiel bleiben jahrelang in einem Boden. Wenn Sie eine Weide haben, auf der durch intensive Landwirtschaft jahrelang Gülle verarbeitet wurde, haben Sie garantiert einen zu hohen Phosphatgehalt in Ihrem Boden. Und Sie haben ein reelles Problem. Das bleibt jahrzehntelang mit der Folge, dass das Gleichgewicht gestört ist. Vergleichen Sie das mit einem Menschen, der jeden Tag Fritten isst. Der wird in absehbarer Zeit auch Probleme bekommen. Junge Pferde bleiben in ihren ersten Lebensjahren durchweg auf einer Weide, und da ist es notwendig für ihre Entwicklung und das Knochengerüst, dass sie variiert fressen. Das bedeutet, dass man auf der Weide Klee und Löwenzahn findet – kurzum eine große Biodiversität mit zahlreichen verschiedenen Kräutern. Jede Pflanze hat ihre Eigenschaften und Nahrungsstoffe. Eine Pferdeweide ist eine Kräuterweide, ein gemengter Grasbestand. Aber gleichzeitig in dem richtigen Verhältnis".

Können Sie spezifische Grassorten für Pferde empfehlen? „Es sind in der Tat Grassorten für die Ansaat auf Pferdeweiden im Handel. Wenn man ansät, muss man das bestimmt nicht mit einem Grasgemenge für Kuhweiden machen. Nehmen Sie Gräser wie altes englisches Raygras, Wiesen-Rispengras, langer Schwingel. Das sind Gräser, die sich kurz über dem Boden verbreiten, denn Pferde millimetern das Gras. Kühe mähen das Gras mit ihrer Zunge. Pferde beißen es mit ihren Zähnen ab, bis auf einen Millimeter. Wenn man dann Grassorten hat, die langwachsend sind, werden die Wachstumszellen oder Meristeme weniger verletzbar sein".

Überbeweidung

Man bekommt immer Gras nach Art des Bodens und seiner Bewirtschaftung. Was man sät, ist die eine Sache, wie man es düngt und wie intensiv man es beweiden lässt, ist eine andere Sache. Deswegen ist die richtige Düngung so wichtig. Was auch sehr schlecht ist, ist Überbeweidung. „Sehen Sie sich die Weiden an. Es steht fast kein Gras mehr darauf. Und doch sind noch viele Pferde darauf. Dann bekommt das Unkraut die Überhand. Es wird der Überbeweidung zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, aber sie bringt sehr viel Schaden. Wenn Pferde die Wachstumszellen des Grases angreifen, stirbt das Gras ab und andere Pflanzen treten an seine Stelle: Trittpflanzen wie der Große Wegerich. Die Menschen machen den gleichen Fehler mit dem Rasen in ihrem Garten. Schauen Sie sich einmal um: im Sommer werden viele Rasen viel zu kurz gemäht, die Wachstumszellen inbegriffen. Das Gras geht kaputt und man bekommt Moose an seiner Stelle, gegen die dann gespritzt wird. Lassen Sie das Gras nur wachsen, besonders im Sommer muss das Gras genügend lang werden. Zu kurzes Abmähen ist ein oft gemachter Fehler. Man will seine Grasrabatte Millimeter hoch sehen. Im Frühjahr kann man das eventuell noch machen, aber Juni und besonders in Trockenperioden rate ich vom kurzen Abmähen ab. Lassen Sie es ruhig wachsen, bis es acht bis zehn Zentimeter lang ist. Mähen Sie auf vier Zentimeter herunter und lassen Sie auf Ihrem Rasen getrost einige Gänseblümchen und Löwenzahn wachsen. Um auf unsere Pferdeweide zurück zu kommen: wenn Pferde Ihr Gras mürbe gemacht haben, ist das das Ende der Geschichte und dann müssen sie von der Weide“.

Kapazität

Was kann eine Weide vertragen? Welche Kapazität hat sie? Marcel Vossen spricht bei normalen Umständen auf einem Lehmboden von drei, vier Pferden pro Hektar, wenn sie von April bis November darauf weiden. „Wenn man von ganzjähriger Beweidung spricht, ist man bei einem, maximal bei zwei Pferden pro Hektar". Ist es ratsam, Parzellen zuzuteilen? Vossen ist kein echter Befürworter davon. „Man kann es immer machen, aber es hat keinen Mehrwert. Alles hängt natürlich von der Größe Ihrer Weide ab. Der Ausgangspunkt ist: je mehr sich junge Pferde bewegen können, desto besser. Sie müssen mal herumtoben können! Ich bevorzuge eine große Parzelle an Stelle von zwei oder drei kleinen Parzellen".

Winter

„Wenn Pferde im Winter auf einer kleinen Parzelle stehen, trappeln sie die Grassoden kaputt. Es bleibt nur Modder übrig und nachher nehmen ausschließlich Trittpflanzen die Überhand. Dann ist Ihre Weide ruiniert. Wenn es etwa Mitte November nass zu werden beginnt, holen Sie Ihre Pferde von der Weide. Es sei denn, Sie wollen eine kleine Fläche opfern. Kleine nasse Weiden sind schädlich“.

Heu machen

Weideland dient nicht nur zum Grasen, es dient ebenfalls zur Heuwerbung. „Bei einer Weide, auf der man Heu macht, muss man bezüglich der Nachweide Geduld haben. Wer in den letzten Monaten geheut hat, wird seine Pferde wegen der heutigen Trockenheit auf der gleichen Weide nicht mehr grasen lassen können. Und wir kommen wieder zum gleichen Ergebnis: wenn man doch Pferde darauf bringt, ist es getan mit Ihrer Weide“.

„Wichtig ist auch, dass man weiß, woher das Heu kommt, wenn man es kauft. Kaufen Sie nie Heu vom Bermengras. Das ist übrigens nicht erlaubt, aber man weiß, wie Menschen sind. Im Bermengras sitzt zuviel Blei von den Abgasen. Ich bin übrigens bezüglich des Bermenbeschlusses sehr kritisch. Naturliebhaber halten ihn für das Evangelium, ich halte es für eine schlechte Naturmaßregel, weil man einen einseitigen Bermenbeschluss von der See bis Maastricht gefasst hat, während wir auf der ganzen Linie eine sehr unterschiedliche Vegetation antreffen. Der Beschluss sagt zum Beispiel, dass alles zum gleichen Zeitpunkt gemäht werden soll, während man die variierte Vegetation besser berücksichtigen sollte. Man weiß nicht, wohin mit dem Japanischen Knopfkraut, das sich überall sehr schnell verbreitet. Man trifft allerlei dumme Maßnahmen, um es loszuwerden, aber es gelingt nicht. Keine Phytoprodukte mehr zu gebrauchen, ist das Evangelium, aber das hat Einfluss auf die Verbreitung vordringender Arten. Die Bermenbewirtschaftung wird nicht kontrolliert. Bermenbewirtschaftung im Hinblick auf die Vegetation aber ist die Logik selbst. In einer Sandgegend hat man eine total andere Vegetation als zum Beispiel in einer Lehmgegend. Der Bermenbeschluss ist eine allgemeine Maßregel und sagt unter anderem, dass man nicht vor dem 15. Juni mähen darf. Das heißt, dass man die vordringenden Arten schön in Saat kommen lässt, und hilft, dass sie sich verbreiten. So konnte sich das Jakobskraut im Überfluss entwickeln. Es ist sehr giftig und bleibt im Heu enthalten. Man findet es auch im Heu aus Naturschutzgebieten, die auch nur einmal gemäht werden. Lehnen Sie das Heu ab! Aus den Gebieten kommen viele giftige Pflanzen. Ich weiß, dass es eine Periode in den Niederlanden gegeben hat, in der das Heu knapp wurde. Man hat damals Gebrauch von Bermengras gemacht, und das ist nicht gut ausgegangen“.

„Kontrollieren Sie Ihre Weide vor dem Heuen immer auf das Vorhandensein schädlicher Pflanzen. Sie blühen durchweg im Mai. Das Gras auf einer Pferdeweide lässt man vorzugsweise gut reifen, aber dann können schädliche Pflanzen auch in Blüte stehen. Die gelbe Blume kann man von Weitem sehen, und dann muss man extra aufmerksam sein! Man könnte sie im Prinzip mit bestimmten Produkten bekämpfen, aber dann macht man auch das Gute kaputt. Wenn man Jakobskraut auf der Weide bemerkt, muss man es unmittelbar herausholen. Und zwar ganz, nicht nur die Blüten entfernen“.

Klima

„Wir müssen auch beginnen, uns mit dem Klima zu beschäftigen. Damit meine ich, dass alles früher beginnt. Das ist eine nüchterne Feststellung. Übrigens ist es sinnlos, Bemerkungen über das Klima zu machen. Aus den ganz einfachen Gründen, dass sich Klimaveränderungen über Jahrzehnte manifestieren. Und was stellen dreißig Jahre in der Geschichte der Erde und allem dar? Nichts! Auf Basis einiger trockener Sommer kann man nichts Sinnvolles dazu sagen. Ich bin ein halbes Jahrhundert mit der Materie beschäftigt und sehe keine nennenswerten Veränderungen. Über Klima wird vor allem viel gelabert. Als Wissenschaftler halte ich mich vor allem an exakte Zahlen und Daten. Wir haben in den 70ern auch viele trockene Jahre gekannt. Es gibt gute und schlechte Weinjahre. Man kann heute noch keine Schlüsse aus der trockenen Periode ziehen. Ich habe nur in diesem Jahr mit meinem gesunden Bauernverstand früh geheut, weil sich die Situation anbot“.

Sprengen

Ist das Bewässern in Zeiten der Trockenheit eine Option? „Erstens ist es in der Trockenperiode verboten und zweitens hat es keinen Sinn, denn dann müssten Sie es quasi ständig tun. Sie müssten mindestens zehn Liter auf den Quadratmeter geben können, und das ist unnütze Arbeit. Das sind hunderttausend Liter pro Hektar. Und das müssten Sie dreimal pro Woche machen. Und wenn es so warm ist, verdampft das Meiste des Wassers. Und Gras wächst mit Wasser. Andererseits gibt es keine Grassorten, die ohne Wasser wachsen".

Gefährliche Pflanzen

Gute Weidewirtschaft impliziert eine gute Kontrolle der vorhandenen Pflanzen. Marcel Vossen warnt vor einigen gefährlichen und giftigen Pflanzen, die man immer vermeiden muss. „Besitzer von nasseren Weiden können Probleme durch Katzenschwanz oder Ackerpferdeschwanz (Schachtelhalm) haben. Diese Pflanze ist sehr giftig. Von Natur aus werden Pferde diese nicht fressen, außer wenn zum Beispiel zuwenig Gras vorhanden ist. Wenn man Schachtelhalm auf der Weide sieht, muss man ihn ausmähen. Pferde werden ebenfalls kaum übermäßig Butterblumen fressen. In der Regel lassen sie die stehen, aber es ist immer die gleiche Geschichte: man sieht schon mal Pferde auf Weiden laufen, auf denen so gut wie kein Gras mehr steht – außer Resten von Butterblumen. Giftig ist vor allem die Blüte der Butterblumen. Durch das Fressen einer Blüte werden die Pferde wenig Last haben, aber auf einer Weide, auf der nichts steht außer Butterblumen, besteht das Risiko, dass sie zu viele von ihnen fressen. Mit einer erhöhten Gefahr auf Vergiftung als Folge".

Marcel zählt noch einige giftige Pflanzen auf: „Jakobskraut, die Eibe alias Taxus baccata. Seien Sie auch vor wildem Liguster auf der Hut. Die Blüte von ihm ist sehr giftig. In Naturschutzgebieten wird wilder Liguster manchmal angepflanzt, sogar auch in Flurbereinigungsgebieten. Bei der weißen Acacia ist vor allem wegen der Rinde große Aufmerksamkeit geboten. Acaciapfähle sind sehr gut bei Weideumzäunungen, aber man muss sie entrinden. Pferde haben die Neigung, an der sehr giftigen Rinde zu knabbern. Ein solcher Pfahl ist sehr langlebig. Ein Acaciapfahl hält viel länger als ein Eichenpfahl. Goldregen ist ebenfalls sehr giftig, auch für Menschen und besonders für Kinder übrigens“.
 

„Und dann ist da noch der Ahorn. Mit ihm muss man sehr vorsichtig sein. Das ist nicht neu, obwohl es lange nicht bekannt war, dass Ahorn ein Killer ist. Der Ahorn ist während zweier Perioden im Jahr sehr gefährlich. Im Herbst, wenn bei einem Sturm viele Flügelchen nach unten wehen. Der Samen ist sehr giftig. Das ist ein sehr gefährlicher Moment. Und im Frühjahr ist Ahorn ebenfalls gefährlich. Wenn es friert, kommt das Gift größtenteils heraus. Und auch, wenn mehr als zwei Keimblätter da sind. Das Problem ergibt sich auch auf kurzgefressenen Weiden im Herbst, denn dann hat der Ahorn alle Chancen, um zu keimen. Jahr für Jahr sterben in Europa Hunderte Pferde wegen des Ahorn. Ich kann nicht genug darauf hinweisen: halten Sie das sehr gut im Auge. Sorgen Sie dafür, dass ihre Pferde weg sind, wenn im Herbst ein Sturm ist und ein Ahornbaum in der Nähe steht. Denn die Pferde nehmen die Samen des Ahorn mit dem Gras auf. Und im Frühjahr auch aufpassen! Eine Aufnahme führt meistens zu einem fatalen Verlauf. Wenn sich der Urin Ihres Pferdes braun verfärbt, ist es schon zu spät. Es geht sehr schnell. Der Tod tritt nach drei oder vier Tagen ein. Vor fünfzehn Jahren habe ich übrigens auch ein paar Pferde dadurch verloren. Und Sie müssen nicht denken, dass der Ahorn dicht neben Ihrer Weide stehen muss, um Schaden zu verursachen. Ahorn, der hundert Meter von Ihrer Weide entfernt wächst, kann ebenfalls bedrohlich sein. Achten Sie dann nur auf Ihre Weide, denn die Flügel des Ahorn können durch den Wind weit verbreitet werden, vor allem, wenn wir über hohe Bäume sprechen. Bei Sturmwetter können sie sicher hundert Meter weit wehen".

Schleppen

Marcel Vossen ist ein Befürworter des Schleppens der Weide. „Pferde misten immer an der gleichen Stelle. Um den Mist etwas über die Weide zu verteilen, halte ich das Schleppen für eine gute Maßnahme. Man muss es nicht übertreiben. Ich lasse es jährlich einmal machen, manchmal sogar alle zwei Jahre. Man sollte es am besten im Frühjahr machen“.

Einsaat

Ist es ratsam, eine Weide regelmäßig einzusäen? „Durch konstante Überbeweidung geht die Grasmatte kaputt und man behält nach einiger Zeit nur noch Trittpflanzen über. Zu dem Zeitpunkt ist man natürlich zum Eingreifen verpflichtet. Wenn man keine Überbeweidung hat und über eine normale Grasmatte verfügt, sehe ich keinen Nutzen darin, die Weide tot zu spritzen und neu einzusäen. Das ist für mich nicht notwendig, im Gegenteil. Ich bin sogar dagegen. Wenn man eine Weide hat, auf der alles Gras weg ist, kann man nicht anders als einzusäen. Das heißt auch, dass dem zuvor ein schlechtes Management vorausgegangen ist. Das hat oft mit einer Überbesetzung von Weiden zu tun, zu viele Pferde im Verhältnis zur verfügbaren Fläche. Man kann einsäen, aber im ersten Jahr wird die Grasmatte noch sehr anfällig sein und man darf keine Pferde auf sie lassen. Man fasst dann besser einen Entschluss bezüglich der Zahl der Pferde, die man hält"

Weiden und mähen

Marcel Vossen ist ein Befürworter davon, abwechselnd zu weiden und zu mähen. „Man muss alles einmal durch wachsen lassen, das ist besser für die tiefe Bewurzelung und für die regelmäßige Heulandbewirtschaftung. Wenn man alles mäht, bringt man die Grasmatte völlig neu in Ordnung. Wer das nicht macht, muss die Stellen, auf denen die Pferde ihre Notdurft verrichten, im Juni oder Juli ausmähen, denn sonst werden die Stellen immer größer. Pferde grasen nicht an diesen Stellen. Die Weide einmal zu schleppen ist eine Alternative zum Ausmähen. Wenn große Trockenheit herrscht, muss man natürlich dafür sorgen, dass man die Weide nicht kaputt mäht“.

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