Snap Foal Test bei Fohlen: was und warum?

Eine der ersten Fragen, die ein Tierarzt bei einem kranken Fohlen stellen wird, ist: „Wurde das Blut getestet?" Mit anderen Worten: wurde ein „snap foal test" durchgeführt, um festzustellen, ob das Fohlen genügend Antistoffe aufgenommen hat. Wie bei allen anderen Säugetieren ist das Immunsystem bei soeben geborenen Fohlen noch nicht ausreichend entwickelt. Die Erzeugung von Antistoffen verläuft weniger flott als bei ausgewachsenen Pferden und in der Umgebung sind auch schon Krankheitserreger anwesend. Außerdem kommt noch hinzu, dass Fohlen keine Antistoffe über die Placenta bekommen, während das bei anderen Säugetieren aber so ist. Ein Fohlen wird also ohne Antistoffe geboren und kann diese nur dadurch bekommen, indem es die Biestmilch der Stute trinkt. Wenn das Fohlen zu wenig Antistoffe aufgenommen hat, ist die Gefahr sehr groß, dass das Fohlen erkrankt oder sogar eine tödliche Infektion bekommt.

Was sind Antistoffe?

Antistoffe oder Antikörper sind das Ergebnis eines komplexen Systems im Körper, nämlich des Immunsystems, in dem allerlei Zellen und Mechanismen zusammenarbeiten, um Krankheitserreger auszuschließen und aus dem Körper zu eliminieren. Ein Antistoff wird erst erzeugt, wenn der Körper mit dem Krankheitserreger in Kontakt gewesen ist und ist je nach Krankheitserreger spezifisch. Wenn dieser Krankheitserreger erneut in den Körper dringt, wird sich der Antistoff an ihn binden und dafür sorgen, dass dieser abgebrochen wird. Auf diese Weise tragen Antistoffe also zum Widerstand des Tieres bei. Das Immunsystem ist bei jedem soeben geborenen Säugetier noch unvollständig und wird sich während der ersten Lebenswochen und -monate weiter entwickeln. Um doch genügend Abwehr gegen Krankheitserreger in der Umgebung zu haben, bekommen die meisten ungeborenen Säugetiere Antistoffe über die Placenta der Mutter. Bei Fohlen ist das leider nicht so, wodurch sie besonders anfällig sind und weswegen die Muttermilch von großer Bedeutung ist.

Die Bedeutung der Biestmilch

Im letzten Monat der Trächtigkeit produziert die Stute Antistoffe in ihrer Milch. Das sind Antistoffe gegen Krankheitserreger in der Umgebung oder solche, die sich nach einer Impfung entwickelten. Aus diesen Gründen ist es nicht angebracht, die Stuten kurz vor der Geburt in einen anderen Stall zu verbringen. Sie haben dann nicht genügend Zeit, um Antistoffe gegen die in der Umgebung vorhandene Keime aufzubauen, wodurch das Fohlen nicht gegen diese Umgebungskeime abgeschirmt wird.

Es ist wichtig, dass das Fohlen kurz nach der Geburt genug trinkt, um genügend Antikörper gegen verschiedene Keime zu haben.

Die an Antistoffen reiche Milch wird Biestmilch genannt und wird nur einige Stunden vor und nach der Geburt produziert. Es ist von großer Bedeutung, dass das Fohlen diese Biestmilch trinkt und so einigen Schutz erhält. Die Antistoffe aus der Biestmilch werden nach dem Trinken vom Dünndarm aufgenommen. Über die Lymphgefäße werden sie dann ins Blut transportiert. Hier gibt es allerdings ein Problem: der Dünndarm wird die Antistoffe nur in den ersten 24 Lebensstunden des Fohlens aufnehmen. Danach verschließt sich der Dünndarm vor größeren Eiweißen wie den Antistoffen und die Aufnahme von Antistoffen kann nicht mehr über den Darm geschehen. Je eher die Biestmilch getrunken wird, umso besser werden die Antistoffe aufgenommen.

Fohlen, die nicht genügend Antistoffe von der Stute aufgenommen haben, sind sehr anfällig für Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Parasiten. Sie werden leider schnell krank. Oft vorkommende Krankheiten sind Durchfall, Nabel-, Gelenk- oder Lungenentzündung oder andere Entzündungen. Nicht selten werden sie auch an anderen Stellen des Körpers Entzündungen bekommen, wodurch sie in kurzer Zeit schlapp werden, Fieber bekommen, nicht mehr trinken und sogar eingehen.

Snap Foal Test

Ab 18 Stunden nach der Geburt kann das Blut der Fohlen auf die Menge von Antistoffen kontrolliert werden. Dies kann mittels des sogenannten Snap Foal Tests geschehen. Meistens lässt man diesen Test durchführen, wenn Zweifel darüber bestehen, ob das Fohlen genügend Biestmilch getrunken hat. Es ist jedoch ratsamer, diesen Test bei jedem Fohlen durchführen zu lassen, weil man nichts über die Qualität der Biestmilch weiß. Wenn in der Biestmilch wenig Antistoffe enthalten sind, ist das Fohlen, auch wenn es genug getrunken hat, nur ungenügend geschützt.

Wenn das Fohlen nicht genügend Antistoffe aufgenommen hat, ist es von großer Wichtigkeit, diese selbst zu verabreichen. Das kann, abhängig vom Alter des Fohlens, auf zwei Arten geschehen. Wenn das Fohlen weniger als 18 Stunden alt ist und man festgestellt hat, dass es kaum etwas getrunken hat, kann die Stute gemolken werden und die Biestmilch kann dem Fohlen mit einer Magensonde eingeführt werden. Zu diesem Zeitpunkt können die Antistoffe noch durch die Wand des Dünndarms ins Blut transportiert werden. Wenn das Fohlen jedoch älter ist als 18 Stunden, kann die Darmwand nicht genügend Antistoffe aufnehmen. Dann müssen diese Antistoffe mittels einer sterilen Infusion direkt dem Blut zugeführt werden. Dafür kann man Plasma eines gesunden Tieres einsetzen.

Die Ursache nicht genügender Antistoffe

Wenn das Fohlen nicht oder zuwenig trinkt, wird es logischerweise zuwenig Antistoffe aufgenommen haben. Fohlen, die wegen Schwäche, Krankheit, Fehlerstellung im Körperbau oder einem zu glatten Untergrund nicht richtig stehen können, werden deswegen nicht trinken. Außerdem haben zu große Fohlen auch oft Mühe mit dem Trinken. Andere Gründe des Nicht-Trinkens sind zum Beispiel Abgelenktheit durch die Umgebung oder eine zu schwere Geburt. Wenn das Fohlen Schwierigkeiten mit dem Aufrechtstehen oder dem Finden des Euters hat, kann man versuchen, dem gerade geborenen Tier an das Euter der Stute zu helfen. Wenn das nicht flott vor sich geht und das Fohlen erschöpft wird, muss man die Stute melken und dem Fohlen die Biestmilch mit einer Flasche eingeben. Dadurch kann es wieder zusätzliche Energie bekommen, um dann selbständig zu trinken.

Die Ursache nicht genügender Aufnahme von Antistoffen liegt jedoch nicht immer bei dem Fohlen, sondern das kann auch an der Stute liegen. Einige Stuten lassen die Milch schon vor der Geburt laufen, wodurch die Biestmilch guter Qualität verlorengegangen ist. Wenn man das feststellt, ist es ratsam, eine andere Quelle von Antistoffen vorzuhalten, ehe das Fohlen geboren ist. Das kann zum Beispiel Biestmilch von einer anderen Stute oder Plasma sein. Die Antistoff-Quellen müssen dem soeben geborenen Fohlen mehrmals gereicht werden. Andererseits kann es sein, dass die Stute wegen Schmerzen, Schwäche oder Unerfahrenheit das Fohlen nicht zum Trinken heranlässt. In solchen Fällen kann man die Stute am besten eben festhalten oder anbinden, so dass das Fohlen doch die Chance bekommt, die Biestmilch zu trinken. Es kann aber auch sein, dass die Biestmilch nicht genügend Antistoffe enthält. So kann es auch sein, dass die Stute zwar genügend Milch produziert und das Fohlen auch gut trinkt, aber das Fohlen nur ungenügend geschützt ist. Aus diesen Gründen ist es ratsam, die Qualität der Biestmilch von einem Tierarzt kontrollieren zu lassen.

Prävention ist besser als Therapie!

Um ein Fehl an Antistoffen beim Fohlen zu vermeiden, ist es wichtig, für eine gesunde, gut geimpfte Stute zu sorgen, die das Fohlen in einer ruhigen, sauberen und möglichst vertrauten Umgebung zur Welt bringen kann. Außerdem ist es wichtig, nach der Geburt gut darauf zu achten, ob das Fohlen genügend trinkt. Wenn festgestellt wird, dass die Aufnahme der Biestmilch aus dem einen oder anderen Grund verhindert wird, ist es sehr wichtig, so schnell wie möglich einzugreifen und falls notwendig den Haustierarzt anzurufen, so dass über eine Sonde Biestmilch zugeführt werden kann oder eventuell eine Plasmainfusion durchgeführt wird. Ungeachtet dessen, ob das Fohlen gut trinkt oder nicht, lässt man am besten einen Snap Foal Test durchführen, wenn das Fohlen älter als 18 Stunden ist. Nur so kann man sicher sein, dass das Fohlen genügend Antistoffe aufgenommen hat und ausreichend geschützt ist.

Um ein krankes Fohlen zu vermeiden, ist es wichtig, dass die Stute in einer ruhigen, sauberen und wenn möglich vertrauten Umgebung fohlen kann.

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