Éric Levallois: „Diamant und ich haben die gleiche Persönlichkeit“

Jedes Pferd, das sich in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt hat, hat seine eigene Geschichte. Jeder kennt Diamant de Semilly, aber genauso gut könnte er völlig unbekannt sein. Ein Zusammentreffen von Umständen brachte zwei identische Persönlichkeiten zusammen: Diamant (29) undEric Levallois (57). Sie wurden Weltmeister und Vize-Europameister. Später wurde Diamant als Deckhengst noch populärer. Das Z-Magazine stattete Züchter Eric Levallois und dem Vater von Dominator Z, Diamant de Semilly, einen Besuch ab.

Es ist schwierig, ein Porträt von Eric Levallois zu machen, ohne dass das Gespräch regelmäßig auf Diamant de Semilly zurück kommt. Eric Levallois wird immer mit seinem berühmten Hengst in einem Atemzug genannt werden, jedoch war er davor auch schon als Reiter von Le Tot de Semilly, dem Vater von Diamant, erfolgreich. Levallois wurde mit Le Tot 1984 Europameister. Davor nahm er mit der Stute Graine d’Oria (Rantzou xx) an drei Jugend-Europameisterschaften teil. Und dann kam Diamant, mit dem er 2002 Teamgold bei den WEG und ein Jahr später Silber bei der EM gewann. Diamant machte sich im Sport einen Namen und wurde später als Deckhengst noch bekannter.

„Deutsche Pferde bringen den Franzosen Vermögen und ein gutes Maul, die wiederum einen guten Kopf einbringen"

Es ist zu sagen, dass er durch ein rein zufälliges Zusammentreffen von Umständen zu Ihnen kam. genauso gut hätten wir Diamant nie kennenlernen können?

Jedes außergewöhnliche Pferd hat eine besondere Geschichte. Die Mutter von Diamant ging eine Stunde nach seiner Geburt ein. Der Züchter wollte ihr Fohlen einschläfern lassen. Er rief meinen Vater mit einer lapidaren Botschaft an: „Entweder Sie kommen, um das Fohlen zu holen, oder es wird sterben". Denn er wollte das Fohlen nicht mit der Flasche aufziehen. Man Vater hat Diamant dann abgeholt und eine Menge Zeit in ihn investiert. So ist es – hätte mein Vater Diamant nicht adoptiert, hätten wir ihn nie gekannt.

Sie waren als Reiter von Le Tot de Semilly, dem Vater von Diamant schon bekannt?

Mein Vater war vor allem Händler, mein Bruder war Züchter und ich war der Reiter. Die Zucht hat mich immer interessiert, jedoch war das während meiner sportlichen Karriere nicht zu kombinieren. 1994 begann ich mit meinem eigenen Stall in Beaufour und kam hier mit Diamant de Semilly an. Ich war verheiratet und startete zusammen mit meiner Frau eine Zucht. Nach unserer Scheidung nahm sie die Zuchtstuten mit und ich hatte nur Diamant. Nach den WEG 2002 kaufte ich in Belgien ein paar Stutfohlen und begann meine Zucht wieder bei Null.

Wie kombinierten Sie seine Aufgaben als Sporthengst und Deckhengst?

Diamant begann erst zu decken, als er acht Jahre alt war. Das war meine Entscheidung. Ich war der Meinung, dass das Decken ihm mental Streiche spielen würde und wollte das Risiko nicht eingehen. Wir werden es nie wissen, aber wenn wir ihn als jungen Hengst aufgestellt hätten, wären wir vielleicht nie Weltmeister geworden. Es ist meine Überzeugung, dass Decken und Sport auf hohem Niveau nicht zusammenpassen. Dass Diamant erst mit acht Jahren in den Deckeinsatz kam, hatte den Vorteil, dass er schon ein erfahrenes Turnierpferd und daher sehr aufmerksam war. Er kannte den Unterschied zwischen Sport und Training und Zucht sehr gut. Bei jungen Hengsten kann das noch verwirrend sein. Zangersheide hat das mit Dominator Z gut gemanagt. Als junger Hengst hat er viel gedeckt und war wenig im Sport. Jetzt geht er im Sport und deckt weniger. Das ist eine gute Entscheidung, denn beides zusammen passt nicht.

Sehen Sie in Dominator Z den Nachfolger von Diamant de Semilly?

Dominator ist ein einmaliger Hengst, den ich selbst auch in meiner Zucht einsetze. Für mich ist er kein Nachfolger von Diamant. Denn das bedeutet, dass der Sohn in die Fußstapfen des Vaters tritt, und jeder Sohn von Diamant, den wir im Sport kennen, ist für sich einmalig. Pferde wie Diamant sind “once in a lifetime”, und man darf schon froh sein, dass man einen solchen Hengst hat. Es gibt keinen zweiten Diamant, so wie es keinen zweiten Dominator oder Emerald gibt, außerdem kann man Generationen nicht vergleichen. Aber ich bin schon ein Verfechter der Kombination Diamant/Cassini. Ich habe selbst einen Fünfjährigen auf der Z- Körung in Deauville vorgestellt (Farenheit de Beaufour: Diamant x Cassini, d. Red.).

So ist es leicht, wenn man in der Jury sitzt?

Im Gegenteil! Man will sicher nicht ausscheiden. Ich stellte auch Falcao de Beaufour (Contendro I x Allegreto) vor und ich ziehe mich zurück, wenn meine Hengste in den Ring kommen.

Sie haben in der Zucht eine ausgesprochene Vorliebe für die Kombination von französischem mit deutschem Blut?

Ich habe die immer gehabt. Man muss sich immer bei anderen umsehen, um sich zu verbessern. Und der Erfolg der deutschen Zucht ist zu einem großen Teil dem Einfluss von französischem Blut zu verdanken. Man denke nur an Cor de la Bryère. Schauen Sie sich den Erfolg der belgischen Zucht an, die momentan die beste der Welt ist. Das dank des Mix von französischem mit deutschem Blut. Deutsche Pferde bringen den Franzosen Vermögen und ein gutes Maul, die wiederum einen guten Kopf einbringen. Aber lassen wir uns auch ehrlich sein: um den einen Kracher zu züchten, hat man immer das Tickchen Glück nötig. Zucht ist die Kombination von Sachkenntnis, Hoffen und Glück. Es ist die Hoffnung, die uns träumen lässt und uns motiviert. Denn bei der Geburt beginnt es erst. Auch wenn man die besten Gene zusammengefügt hat, muss jedes künftige Spitzenpferd erst gemacht werden, und dann kommen noch viele Faktoren hinzu. Wo kommt das Pferd hin? Bekommt es alle Chancen? Werden seine Talente optimal gefördert? Es ist die Hoffnung, die es die Mühe wert erscheinen lässt, um Zeit zu investieren. Und dann muss man das Glück haben, dass alles die richtige Richtung einschlägt.

Was sagt Ihnen ein Fohlen nach der Geburt?

Ich erwarte in diesem Jahr 40 Fohlen. Dadurch kann man vergleichen. Dennoch will ich zu dem Zeitpunkt nicht urteilen. Ich werde nach drei Tagen nicht sagen, dass ein Fohlen etwas Besonderes ist. Mein Vater konnte das aber. Er hatte eine Nase dafür, auch wenn er das selbst nicht erklären konnte. Natürlich hat man immer ein Sentiment, ein bestimmtes Gefühl bei einem gerade eben geborenen Fohlen. Man sieht die Bewegung und das Gleichgewicht. Es gibt also schon bestimmte Indikatoren. Ungeachtet dieses Bildes gebe ich ihnen die Chance, heranzuwachsen, und schaue mir das langfristig an. Vom Fohlen bis zum Dreijährigen gehen sie Mitte April auf die Weide und kommen im November zurück auf den Stall. In dieser Zeit urteile ich nicht, dann träume ich vor allem. Und ich werde nie behaupten, dass ich einen Supercrack gezogen habe. Ich züchte gute Pferde, und in den nächsten Jahren wird sich zeigen, wie gut sie werden. Sweet de Beaufour (Diamant de Semilly x Kannan), mit dem Daniel Deusser 1,60 m sprang, sah vielversprechend aus. Und doch war Sweet als Sechsjähriger noch sehr delikat. er benötigte Zeit, sich zu entwickeln, und die hat er bekommen.

Wie schwer ist es dann, junge Hengste für das Studbook Zangersheide zu kören?

Die große Schwierigkeit ist, dass man den Augenblick beurteilt. Leider gibt es gute Pferde, die sich zu dem Zeitpunkt weniger gut präsentieren. Die Herausforderung besteht darin, um heute mit einem Zukunftsbild im Hinterkopf zu richten. Zum Glück sind wir in der Jury zu dritt, und sowohl Luc Tilleman als auch Heinz Meyer sind erfahrene Fachleute, die ein Pferd sehr gut einschätzen können.

Kennen Sie Ihre Pferde unter dem Sattel?

Das ist vorbei. Ich reite nicht mehr. Oder eher sporadisch, um in Form zu bleiben (lächelt). Bis vor zwei Jahren ritt ich Diamant täglich. Nun sind wir beide zu alt dafür geworden. Ich habe 50 junge Pferde in Wettbewerben, und die kenne ich in- und auswendig. Ich gehöre noch zu der Generation, die mit ihrem Pferd zusammen gelebt hat. Für mich sind Pferde noch Romantik und Passion. Heute ist es mehr ein Geschäft geworden.

Hat Diamant Sie reich gemacht?

Er hat mir ein reiches Leben geschenkt. Also ja, er hat mich auch reich gemacht, als Mensch und als Reiter. Und natürlich hat er einen großen finanziellen Beitrag zum Erfolg des Haras de Beaufour geliefert. Er ist vor allem mein bester Freund. Es hängt eine Kamera in seinem Stall, und wenn ich fort bin, sehe ich über mein Smartphone oft nach ihm. Wir sind eins und unteilbar. Verständlich, denn ich kenne ihn schon länger als die Hälfte meines Lebens. Ich mag nicht an den Tag denken, an dem er nicht mehr da sein wird. Er hatte vor zwölf Jahren in drei Wochen drei Kolikoperationen. Ich war krank davon. Diamant verbringt seine Tage in einem Sandpaddock. Für den Boden seines Stalles habe ich eine Luftmatratze aus dickem Gummi machen lassen. So liegt er sanft, denn das Risiko eines Strohbettes ist zu groß. Und seit seiner Kolik frisst er fünf Mal am Tag eine Suppe, die ich selbst zusammengestellt habe. Ich habe immer alles getan, ihm das Beste zu bieten.

Sie selbst haben einen schweren Verkehrsunfall gehabt. Die Bewunderung für Ihren Charakter, Ihre Willenskraft und Ihren Kampfmut bei der Rehabilitation war groß. Galt das auch für Diamant während seiner Kolik?

Ich denke in der Tat, dass wir die gleiche Einstellung haben, und dass bei Diamant auch der Kampfgeist vorhanden war, um zu überleben. Ich erinnere mich noch, wie er nach seiner Operation im Aufwachraum aufstand. Die Assistenten hatten nicht recht die Zeit, ihm zu helfen. Er machte es aus eigener Kraft. Und mit soviel Kraft, dass die Wundklammer aufging. Unsere Charaktere stimmen überein, das stimmt. Wir begreifen und verstehen einander gut, und der gegenseitige Respekt ist sehr groß (lächelt). Schöner kann eine Verbindung zwischen Mensch und Pferd nicht sein.

Haras de Beaufour

Eric Levallois begann 1994 mit dem Haras de Beaufour im Dorf Beaufour-Druval in der Normandie, 20 km von Deauville entfernt. Dort ließ er sich auf einem alten Vollblutgestüt nieder, das mit 150 ha Weideland den Anforderungen perfekt entsprach. Inzwischen breitete sich der Haras de Beaufour auf mehrere Standorte aus, wobei sich die Sportpferde an einer Stelle und die Zucht und Aufzucht an verschiedenen Orten befinden. Das erste bekannte Pferd aus seiner Zucht war Peanuts de Beaufour (Diamant de Semilly), der unter Latifa Al Maktoum 1,60 m sprang. Das bekannteste Pferd wurde Sweet de Beaufour (Diamant de Semilly x Kannan), den wir unter Daniel Deusser kennen. 

Eric Levallois züchtete auch mehrere Pferde der Kategorien 1,50 und 1,60 m, darunter Vinci de Beaufour (Diamant de Semilly), der unter Chad Fallows 1,60 m sprang, Sultan de Beaufour (VDL Cardento), der unter Simon Delestre 1,60 m ging, und Pferde wie Amy de Beaufour (Calvaro Z), Casanova de Beaufour (Kashmir vh Schuttershof), Uckland de Beaufour (Diamant de Semilly), Baldini de Beaufour und Bolero de Beaufour, beide von Nabab de Reve.

In jüngster Zeit entscheidet sich Eric Levallois immer öfter für Hengste aus dem Zangersheide-Angebot. So benutzte er Levisto Z, Brunetti Z, Comilfo Plus Z als auch Aganix du Seigneur Z und natürlich den Diamant de Semilly-Sohn Dominator Z. Jedes Jahr werden rund 40 Fohlen im Haras de Beaufour geboren, die grundsätzlich nicht verkauft werden und bis dreijährig zur Aufzucht bleiben. Dann werden sie angeritten und bei verschiedenen Reitern untergebracht, angepasst an das Alter und das Niveau des Pferdes. Von jungen Reiternbis zu den absoluten Weltklassereitern wie Pénélope Leprevost trägt jeder bei zum Markennamen und zum Erfolg von „de Beaufour!

„Zucht ist die Kombination von Sachkenntnis, Hoffen und Glück. Es ist die Hoffnung, die uns träumen lässt und uns motiviert"

 

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