Der Züchter Grégory Wathelet; „Wissen Sie, was an der Zucht so schön ist? Die Unvorhersehbarkeit“

Das Leben kann überraschende Wendungen nehmen. Bis vor einigen Jahren hatte sich Grégory Wathelet (39) ganz und gar nicht mit der Zucht beschäftigt. „Als Reiter sehe ich nach dem Pferd, nicht nach seinem Papier“, sagt Grégory dazu. Er ist amtierender Mannschafts-Europameister, wurde Vize-Europameister, gewann den GP von Aachen und noch soviel mehr. Jetzt passenalle Puzzleteile zusammen. Wathelet kaufte von seinem Vater den Hof samt Zucht, der durch das Suffix „de la Marchette" gekennzeichnet wird. Im vergangenen Jahr wurde seine siebenjährige Argentina de la Marchette sogar Belgischer Meister. Gleichzeitig hatte Grégory Tophengste im Sport und besaß pensionierte Top-Sportstuten. Das faszinierte ihn so sehr, dass sein Interesse für die Zucht wuchs. Seine Zucht ist ein Fakt, und doch ist Wathelet vor allem Realist: „Ich träume, hoffe und erwarte, aber es kann genauso gut sein, dass ich in einigen Jahren mit einem Kater erwache". Die Gene, mit denen er züchtet, haben sich allerdings im Sport bewährt.

Sie haben der Zucht von „Marchette“ eindeutig neuen Schwung gegeben?

Ich erwarte in diesem Jahr 15 Fohlen, von denen die meisten zuhause geboren werden. Das war früher anders. Ich kaufte Fohlen und Embryos und teilte die Zucht mit ein paar Freunden. Es kamen einige Umstände zusammen. Mein Vater hatte schon eine Zucht. Im vergangenen Jahr wurde ich mit seiner siebenjährigen Argentina de la Marchette (Acajou de la Marchette - Del Piero P&B) in Gesves Belgischer Meister. Vor fünf Jahren habe ich den elterlichen Hof übernommen und in einen Sportstall plus Zucht umgeformt. Und das Wort Übernahme bedeutet alles. Mein Vater, der das Pensionsalter ereichte, war Landwirt und züchtete in erster Linie die Rinderrasse Limousin. Ich züchte also nicht nur Pferde, sondern auch Kühe (lacht). Er hatte jährlich etwa 130 Stück Vieh, ich habe das auf 30 Stück reduziert. Ich finde das schön, es ist sympathisch, aber um ehrlich zu sein, richtet sich mein Interesse mehr auf die Pferde.

Hat der Erfolg von Argentina de la Marchette Sie dazu überzeugt, um zu züchten?

Mein Vater hat den Stamm noch. Aus dem sind einige prima Pferde hervorgegangen. Man könnte sagen, dass ich in der Zucht mit dem weitermachen will, was mein Vater begonnen hat. Mein Vater war berufsmäßig Rinderzüchter, Pferde waren ein Hobby. Meine Intention ist es, der Pferdezucht neuen Schwung zu geben, weil ich inzwischen ein paar Stuten habe, die im Spitzensport erfolgreich waren.

Haben die Stuten den Ausschlag gegeben?

Ganz ehrlich, bis vor einigen Jahren interessierte mich die Zucht überhaupt nicht. Ich habe mich damit nicht beschäftigt. Wenn ich Pferde kaufte oder von Besitzern angeboten bekam, schaute ich auf das Pferd, nicht nach seinem Papier. Die Abstammung kannte ich buchstäblich nicht. Jeder macht seinem Job, es gibt Reiter und es gibt Züchter. Das sind zwei verschiedene Berufe und Spezialisierungen.

Brume de la Marchette Z

Fakt ist aber, dass ich alles, was ich in meinem Leben mache, zu mehr als hundert Prozent gut machen möchte. So bin ich. Wenn ich etwas mache, ist das mit totaler Hingabe und noch mehr Engagement. Ob es als Reiter oder Trainer oder jetzt als Züchter ist, ich will immer das Beste heraus holen. Ich mache es gut oder ich mache es gar nicht. Was nicht bedeutet, dass immer alles gelingt, aber ich werde mir nie vorwerfen können, dass ich nicht alles dafür getan habe. Als ich 18 Jahre alt war, wollte ich Profireiter werden. Das war meine Ambition und dafür habe ich mich voll eingesetzt. Aber ich bin ein einfacher Bauernsohn und zuhause hatten sie nicht die Mittel, um in die sportliche Karriere ihres Sohnes zu investieren. Ich habe immer sehr hart gearbeitet, um mein Ziel zu erreichen, und ich wollte oder könnte es auch nicht anders. Es ist, wie ich bin. Und jetzt will ich dasselbe mit meiner Zucht erreichen. Ich kaufte den elterlichen Hof, umringt von 70 ha Weideland und mit einer bescheidenen Zucht. Die Basis war gelegt. Es kam dazu, dass ich über pensionierte GP-Stuten verfügte. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Die ältesten Pferde aus meiner Zucht sind vier Jahre alt. Sie stammen von Lilly Lordanos, die wegen einer Sportverletzung in die Zucht gegangen ist. Cavaluna Z (Crown Z) setzen wir auch in der Zucht ein. Sie hat einen vierjährigen Comme Il Faut. Die 18jährige Oh D’Eole (Kannan) hat in diesem Jahr drei Fohlen gebracht. Ich habe ein Fohlen von Banda de Hus (Argentinus), von Coree (Cornet Obolensky), die den GP von Aachen gewann. Es sind alles Stuten, die im Großen Sport gegangen sind. Ich habe das Glück, dass ich viele gute Stuten von mehreren Besitzern reiten durfte. Von Besitzern, die alle eine Passion für den Sport haben und jetzt meine Passion für die Zucht teilen. Das war vielleicht eine logische Folge? Ich bekam eine Stute, baute mit ihr eine Sportkarriere auf und danach entstand die Idee, sie in der Zucht einzusetzen. Oder wir kauften einmal zusammen ein Fohlen aus bestimmten Linien. So kaufte ich mit mehreren Besitzern den Bruder von MJT Nevados, der als Siebenjähriger Weltmeister auf Zangersheide wurde und im vorigen Jahr Teamgold bei der EM in Rotterdam gewann. Wir kauften auch einen Bruder und eine Schwester von Conrad de Hus, mit dem ich in Aachen Vize-Europameister wurde. Die Fohlen, in die wir jetzt investieren, und die Stuten, mit denen ich jetzt züchte, haben alle eine Verbindung zu meiner Sportlaufbahn, und das ist die Basis meiner Zucht. Es gibt Züchter, die viel mehr Kenntnis von Blutlinien haben als ich. Ich konzentriere mich nur auf Väter und Mütter, die ich selbst geritten habe oder auf deren nächste Familie. Weil ich die am besten kenne.

Es geht um Gefühle?

Ganz und gar! Coree gewann in Aachen den Großen Preis, Conrad de Hus gewann in Aachen Silber bei der EM. Wer will aus der Kombination kein Fohlen? Und natürlich hat ein solches Fohlen einen enormen sentimentalen Wert. Das in Kombination mit Besitzern, die das gleiche Gefühl teilen. Das ist das Schöne an unserer Zucht, und es impliziert, dass kein Druck besteht. Zucht ist eine Passion, die man teilt, die uns hoffen und träumen lässt. Wir bleiben dabei realistisch. Vielleicht erwachen wir in drei, vier Jahren mit einem Kater, weil wir feststellen, dass es eigentlich nicht gelungen ist. Oder dass der Traum nicht verwirklicht wurde. Aber so lange geben die Hoffnung und die Erwartung ein gutes Gefühl (lächelt). Ich bin zum Glück auch gut umringt von Fachleuten, die viel mehr Kenntnis und Verstand haben als ich. So frage ich zum Beispiel oft meinen guten Freund Gilles Botton vom Haras de Hus um Rat.

Gregory und Coree gewannen in Aachen den Großen Preis

Weiter gestehe ich, dass die Zucht immer ein Glücksspiel sein wird. Und das sage ich als Reiter und nicht als Züchter. Als Reiter will ich Pferde für die Fünf-Sterne-Prüfungen. Für wie viele, oder besser, für wie wenige Fohlen besteht die Chance? Es ist besser, wenn man die Chancenberechnung nicht macht. Züchten ist eine Passion geworden, und das ist das Wichtigste. Was auch einen Ausschlag gegeben hat, ist, dass ich in meiner Laufbahn viele Sechs- und Siebenjährige unter den Sattel bekommen habe und es mir gelungen ist, sie auf das höchste Niveau zu bringen. Im Alter von sechs, sieben Jahren kann man schon eine realistische Einschätzung machen. Ich habe mich oft gefragt, wie die Pferde als Drei- und Vierjährige sprangen. Ich wusste es nicht, denn ich kannte sie in dem Alter nicht. Wenn man einen Kracher unter dem Sattel hat, hört man oft Leute sagen, dass sie das schon in sehr jungem Alter erkannten. Das interessierte mich. Und vor allem die Frage: ist das möglich?

Sagen Sie es, ist es möglich?

Ich arbeite daran. Ich habe mir vorgenommen, die Pferde aus meiner Zucht lange genug zu behalten, um es herauszubekommen. Sowohl die Guten als auch die Zweifelhaften. Denn ich will die Entwicklung feststellen: wie verhält sich ein Zweijähriger beim Freispringen? Wie macht er sich als Dreijähriger? Als Vier- und Fünfjähriger? Ich will herausfinden, ob sich daraus eine Linie ergibt. Ich halte alles auf Video fest, jedes Fohlen hat sein Video-Dossier. Meine erste Feststellung ist, dass die ersten Freisprünge schon einen wichtigen Hinweis auf ihre späteren Sprünge unter dem Sattel geben. Ich habe die Zweijährigen einige Male in aller Ruhe damit beschäftigt gesehen. Zweimal im Frühstadium als Zweijährige und zweimal am Ende dieses Alters. Ganz einfach und natürlich, denn ich will ihre innere Veranlagung kennenlernen. Und die bleibt im allgemeinen gleich. Die Manier beim Freispringen wird man später auch unter dem Sattel wiedererkennen. Um richtig verstanden zu werden: das alles sagt absolut nichts über Charakter, Galopp, Maul etc. aus. Es ist ein Klischee, aber als Reiter weiß ich es wie kein anderer: der Weg ist lang. Ich kenne die meisten Hengste und Stuten, mit denen ich züchte, und stütze mich darauf, aber ich weiß (noch) nicht, wie sich bestimmte Linien über Generationen vererben. Dazu muss man ein echter Züchter sein (lächelt). Ich glaube wohl an Genetik und an die Tatsache, dass bestimmte Merkmale und Charakteristika sich in einer Linie wiederfinden. Aber das Wissen habe ich noch nicht. Ich kann mich nur auf Vater und Mutter stützen. Und weiter: wissen Sie, was an der Zucht so schön ist? Die Unvorhersehbarkeit. Selbst mit den besten Genen und der besten Fachkenntnis hat man keine Sicherheit. Das ist bei Züchtern nicht anders als bei Reitern. Als Züchter ist man davon überzeugt, dass man die besten Gene gekreuzt hat. Aber man bekommt nie Sicherheit oder Garantie. Das ist bei uns Reitern nicht anders. Ich kaufte im vorigen Jahr einen Vierjährigen. Ich bin ganz weg von ihm, ich habe ihn zu Anfang dieses Jahres sogar in der Sunshine Tour geritten. Aber was sagt ein Fünfjähriger? Wie wird er in fünf Jahren sein? Man hofft und erwartet, aber man weiß es nicht. Man weiß es nicht als Züchter und man weiß es nicht als Reiter. Sonst wäre es zu leicht. Quel Homme de Hus (Quidam de Revel), mit dem Jérôme Guery im vorigen Jahr zu unserem goldenen EM-Team gehörte, habe ich als Siebenjährigen ausprobiert und ihn stehen lassen. Ich fand echt, er sei kein Sportpferd, dazu auch noch träge. Nicht viel später gewinnt er den GCT-GP von Mexiko. Ich habe mich in dem Pferd geirrt. Ich hatte zur gleichen Zeit Conrad de Hus, ein Weltpferd, und vielleicht habe ich unbewusst eine Verbeugung vor ihm gemacht. Und jetzt erweist sich Quel Homme de Hus auch als ein Weltpferd.

Charmeur de la Marchette Z

Spielen Zufall und Glück eine große Rolle?

Immer. Aber alles beginnt mit der inneren Qualität. Ein Fohlen muss die Veranlagung haben, und dann sind da noch viele Faktoren, die eine Rolle spielen. Und die echten Spitzenpferde, die man Woche für Woche im TV sieht, oder sage ich nun besser, die man im TV sah, sind Ausnahmen. In meinem Stall denke ich an Coree, Conrad, Forlap, Cortez. Die sind in jeder Hinsicht außergewöhnlich Das sind geborene Genies, und die sind wie bei den Menschen selten. Man darf als Züchter nicht blind darauf starren. Das gilt sicher auch für mich. Natürlich kann ich Pferde züchten, um mit ihnen Aachen zu gewinnen, aber jetzt bin ich laut am Träumen. Wenn es einem gelingt, ein Zwei-Sterne-GP-Pferd zu züchten, macht man es schon gut. Denn das sind auch gute Pferde. Es gibt viele gute Fußballer, aber es gibt nur einen Ronaldo, einen Messi. Wenn man sich als Fußballer an denen misst, bleibt man frustriert zurück.

Was können Sie an einem jungen Fohlen erkennen?

Nichts, ganz und gar nichts. Dafür verstehe ich noch zuwenig davon. Ich sage, was jeder sagt: Oh, was ist das ein schönes Fohlen (lacht). Ich habe viele Fohlen mit Gilles Botton zusammen. Er kann sehr schnell eine anatomische Analyse von dem Fohlen machen. Ich absolut nicht. Was ich wohl gelernt habe, ist, dass es Kenner gibt und solche, die denken, dass sie Kenner sind. In aller Deutlichkeit: ich kann es nicht. Ich urteile nicht, bevor ich sie beim Freispringen gesehen habe. Und dabei schaue ich nicht auf ihr Modell, sondern auf ihre Technik. Ach, wie ich schon sagte, ich habe mich für die Zucht engagiert und teile die mit passionierten und professionellen Leuten. Es ist ein Amüsement und ein Experiment. Und vorläufig kostet das viel Geld. Meine Zucht ist momentan ein Verlustgeschäft. Rein ökonomisch gesehen kann man besser einen Dreijährigen kaufen.

Machen Sie mal eine Rechnung auf?

Ich bin mein eigener Manager und mache meine Buchführung selbst. Ich komme schon schnell auf einen Durchschnitt von 10.000 Euro pro Fohlen, inklusive Embryotransfer.

Das ist aber sehr viel

Ich denke, dass Züchter glücklicherweise nicht alle Kosten aufrechnen. Als Deckgeld veranschlage ich zwischen 1.000 und 3.000 Euro. Dann ist da die Abschreibung für die Stute. Einen Embryo zu spülen kostet 3.000 Euro. Gehen Sie davon aus, dass eine von zwei Überpflanzungen gelingt. Dann hat man noch die Trägerstute, die im Schnitt 1.500 Euro im Jahr kostet. Rechnen Sie noch die zahlreichen Fahrten dazu, der Mitarbeiter, der bezahlt werden muss. Es kann zum Verlust eines Fohlens kommen oder man hat einen Zweijährigen mit schlechten Röntgenbildern. Wenn man wirklich alle Kosten in Rechnung stellt, kommt man effektiv auf durchschnittliche Kosten von 10.000 Euro. Was macht man am besten? Den besten Vierjährigen für 100.000 Euro kaufen oder zehn Fohlen für je 10.000 Euro züchten? Nein, man züchtet nicht wegen des Geldes. Letztlich kann ich niemanden abschrecken. Denn ich verstehe jetzt auch die Passion der Züchter. Ich gebe zu: als ich im vergangenen Jahr mit Argentina aus der Zucht meines Vaters Belgischer Meister wurde, war das doch etwasganz Spezielles. Und das Gefühl kann man nicht gegen die Kosten aufwiegen. Das ist ein Stolz, den man nicht kaufen kann. Das ist so, als wenn ein Reiter Aachen gewinnt – es gibt keinen Preis für das unbeschreibliche Gefühl. Was in meiner Zuchtgeschichte auch mitspielt, ist, dass ich im September 40 Jahre alt werde. Ich fühle mich nicht alt, aber wäre es nicht schön, wenn ich in rund zehn Jahren meine Karriere mit einem Pferd beenden kann, das ich selbst gezogen habe? Das ist ein Traum, aber ich bin vor allem Realist. Ich werde schon froh sein, wenn ich einmal ein Pferd züchte, das auf hohem Niveau springt.

Viele Züchter sind Z für die Z Quality Auction, Z Online Auctions und Z Breeders Auction dankbar. Ist das etwas für Sie, um die Kosten wieder hereinzuholen?

Wir haben auf der Z-Auktion schon mehr gekauft als verkauft. Wir haben zwei Fohlen auf der Auktion angeboten, aber in der Regel behalte ich sie bis sie mindestens drei Jahre alt sind. Ich müsste ökonomisch gesehen mehr Fohlen verkaufen, aber dafür bin ich zuwenig Verkäufer. Es geht nicht darum, dass ich morgen 10.000 Euro Gewinn auf ein .Fohlen mache, das ich verkaufe. Der Traum, hé (lächelt). Vielleicht ist das ein bisschen verrückt und ich ändere in einigen Jahren meine Ideen. Es ist wie im Sport, man macht es nicht für das Geld. Man braucht Einkommen, aber Sport und Zucht betreibt man nicht aus finanziellen Erwägungen. Für Argentina de la Marchette haben wir schon sehr ansehnliche Gebote bekommen, aber sie geht nicht weg – nie. Sie sitzt tief in unserem Herzen. Ich verkaufe auch deswegen nicht, weil ich noch viel lernen kann. Wenn ich all meine Fohlen verkaufe, werde ich nie wissen, wie sie sich entwickeln, aber gerade das interessiert mich an der Zucht. Ich kann die Entwicklung ab dem jungen Alter eines Pferdes besser verstehen. Das ist echt fesselnd. Bei Coree zum Beispiel hatte ich Zweifel – bis ich sie ausprobierte. Sie war kompliziert. Wenn ich solch ein Pferd nun als Vier- oder Fünfjähriges kennenlerne, könnte ich es vielleicht auch besser einschätzen. Von Silvana hatte ich es auch nicht gedacht, dass sie so gut werden würde.

Nevados wurde als Siebenjähriger Weltmeister und gewann im vergangenen Jahr Teamgold bei der EM. Ich zweifelte anfangs, ob er 1,45 m springen würde, weil er so sensibel ist. Er konnte es zwar, aber die Umstände mussten passen. Würde er es später im Parcours gut machen? Ich ging sehr vorsichtig mit ihm um. Bis einige Spitzenpferde wegen Verletzungen nicht einsetzbar waren und Nevados den Karren ziehen musste. Es machte Klick und er sprang wie zuhause. Ich erinnere mich noch gut an unser Turnier in Sankt Gallen, bei dem er mich echt überzeugt hat. Damit will ich sagen, dass so viele unbekannte Faktoren für den Erfolg eines Pferdes eine Rolle spielen.


Wie sieht ihre Ausbildung aus?

Als Zweijährige kommen sie zehn Tage in den Stall und absolvieren vier Mal ein Freispringen. Ohne Beurteilung. Das wiederholen wir noch einmal am Ende des Jahres und dann wird eine erste Selektion vorgenommen. Wer übersteht den Winter und wer darf gehen? Als Dreijährige werden sie angeritten und gehen im Frühjahr auf die Weide. Wenn sie vierjährig sind, beginnt dann echt ihre Ausbildung. Zuhause oder bei Dritten. In der Regel habe ich dafür keine Zeit, jetzt ausnahmsweise etwas mehr. Ich beschäftige mich jetzt mehr mit den Pferden aus der eigenen Zucht. Ich kann sie über eine längere Zeit echt beobachten. Ich finde das schön, und wer weiß, vielleicht wird das meine zweite Karriere?

Was sagt der Reiter Wathelet dem Züchter Wathelet, wenn es um eine Traumkombination geht?

Dass er sich für Coree x Conrad de Hus entscheidet, weil ich sie alle beide geritten habe. Und Coree x Sandro Boy, weil beide Pferde vom gleichen Besitzer sind. Wir erwarten jetzt ein Fohlen von Casall a. d. Coree und haben einen Embryo von Nevados gespült. Aus unserer Belgischen Meisterin Argentina erwarten wir ein Embryofohlen von Comme Il Faut. Coree haben wir auch an Dominator 2000 Z angepaart. Taloubet Z kenne ich auch schon lange, wir haben es mit ihm probiert, aber es ist noch nicht geglückt. Ich mache durchweg eine Liste von Hengsten, die ich aus dem Sport kenne. Dominator Z und Taloubet Z springen dann dabei heraus. Ich folge dabei meinem Herzen. Ich habe selbst Hengste im Sport, und manchmal fragen Züchter mich um Rat: meine Stute ist die Schwester von sowieso, welchen Hengst sollte ich einsetzen? Wie kann ich das wissen? Ich kann dazu wirklich keinen sinnigen Rat geben. Sind die Anpaarungen nicht alle gefühlsbestimmt?

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