Vorbereitung der Zuchtstuten auf Herbst und Winter

Wie weiß man, ob die eigene Zuchtstute zu dick oder zu mager ist? Und wie kann man die Verfassung seines Pferdes verbessern?

Pferde legen normalerweise während der Sommermonate Fettreserven an, um während der kalten Wintermonate davon zehren zu können. Aber genügen diese Reserven?

 

Die Verfassung ihrer Zuchtstute ist äußerst wichtig. Dies gilt sowohl für eine güste, wie für eine trächtige Stute. So hat eine güste oder zuvor nicht gedeckte Stute bei einer guten körperlichen Verfassung größere Chancen auf einen normalen Zyklus, als wenn sie zu mager oder zu dick ist. Ebenso werden Stuten, die während der Trächtigkeit und dem Abfohlen in guter Verfassung sind, eine bessere Fruchtbarkeit haben.   

Die Verfassung ihres Pferdes kann anhand des Body Condition Score (BCS) einfach bestimmt werden. Mit Hilfe dieses BCS erhält man einen Eindruck von der Fettverteilung unter der Haut des Pferdes, und somit, ob ihr Pferd zu dick, zu mager oder in guter Verfassung ist.


Wie wird dieser Body Condition Score bestimmt?


Dies kann man als Besitzer selber machen, indem man nach der Menge des Fetts auf den Rippen, längs des Halses, längs der Wirbelsäule und hinter der Schulter schaut und fühlt. Anhand dessen erhält ihr Pferd einen Score von 1 bis 9, so wie auf der Tabelle abgebildet. Ein Pferd mit einem BCS von 1 ist also viel zu mager, eines mit BCS 9 ist viel zu fett.  

Für Zuchtstuten ist ein BCS von 5 oder 6 wünschenswert. Stuten, die mit einem Score von 1 oder 9 in die Zuchtsaison gehen, haben höchstwahrscheinlich eine verminderten Fruchtbarkeit.

Idealerweise kann man bei einem Pferd in guter Verfassung die Rippen fühlen und leicht sehen. Darüber hinaus haben diese Pferde ausreichend Fett entlang der Oberlinie, weshalb die Lenden relativ flach sind. Der Hals ist nicht zu dünn und geht allmählich in die Schulter über. Bei einem BCS von 6 oder höher kann man die Rippen nicht mehr sehen oder fühlen, und die Pferde haben so viel Fett entlang der Wirbelsäule, dass über den Lenden eine Rinne sichtbar ist. Bei einem zu niedrigen  Body Condition Score hingegen sind Rippen und Wirbelsäule deutlich sichtbar.

Sowohl Stuten mit Fohlen, als auch Stuten, die während des Sommers zu Turnieren eingesetzt werden, sacken im Herbst auf einen Condition Score niedriger als 5 ab. Diese Pferde benötigen im Herbst zusätzliches Futter, sodass sie für die nächste Zuchtsaison zum Abfohlen wieder in guter Verfassung sind.

Im Gegensatz zu diesen Pferden werden Stuten, die den ganzen Sommer und Herbst auf einer üppigen Weide gestanden haben, manchmal einen Wert von mehr als 7 haben. Das kann ein erhöhtes Risiko für Hufrehe oder Kolik bedeuten. Die Winterperiode bietet für die Pferde mit Übergewicht eine ideale Gelegenheit, abzunehmen: das Gras ist dann weniger nährreich, und bei kalten Temperaturen wird mehr Energie verbraucht.   

Weidegang und Heu

Wenn die Qualität und Quantität des Grases abnimmt, sollten Stuten mit Heu  zugefüttert werden. Während eines trockenen Sommers, wie wir ihn aus den vergangenen Jahren kennen, ist es sogar ratsam, schon im Juli und August Heu zu geben. 

Wenn sich der Body Condition Score ihrer Stute verschlechtert, können Sie davon ausgehen, dass die Nährstoffe, die sie aufnimmt, nicht ausreichend sind. Auch bei Überweidung (zu viele Pferde auf zu wenig Weideland) ist es angeraten, Heu zuzufüttern. Darüber hinaus wird die Überweidung im Herbst das Gras schwächen und damit seine Wachstumskraft für das folgende Frühjahr angreifen. Das gibt Unkräutern die Gelegenheit, sich auf der Weide auszubreiten.  

Ein einfacher Test, ob es schon nötig ist, Heu zu füttern oder nicht, ist, ein wenig Heu auf die Weide zu legen. Wenn die Pferde das Heu nicht fressen, ist dies ein Zeichen, dass sie mit dem Gras auf der Weide genug zu fressen haben. Wenn sie aber das Heu rasch auffressen, ist klar, dass sie das Heu brauchen, um in guter Verfassung zu bleiben.

Lassen Sie ihr Heu analysieren! Tierarzt Frederik Mijten zufolge können Zuchtstuten allein mit Heu durch den Winter kommen, unter der Bedingung, dass es von guter Qualität ist. Deshalb ist es wichtig, das Heu regelmäßig analysieren zu lassen, sodass man weiß, was man seinen Pferden gibt. Auf Grundlage der Ergebnisse dieser Analysen kann man die Rationen seines Pferdes anpassen, wonach man mit eventuell Eiweißen, z.B. Luzerne, Mineralien oder Vitaminen ergänzen kann. Wenn man selber Heu macht, tut man zugleich gut daran, seine Weide auch ab und zu analysieren zu lassen. Analysen von Boden und Heu sind nicht teuer und beugen zusätzlichen Kosten vor.   

Die nächste Frage ist: wieviel Heu braucht ein Pferd während Herbst und Winter? In einer Untersuchung in Großbritannien erhalten Stuten ungefähr ein Kilogramm Heu pro 50 kg Körpergewicht. Eine Stute von mittlerer Größe frisst also rund 11 kg Heu pro Tag. Aufgepasst, diese Zahl ist die Menge Heu, die tatsächlich von der Stute gefressen wird, und nicht die Menge Heu, die gefüttert wird. Es geht immer etwas Heu verloren, die zu verfütternde Menge wird also etwas größer sein müssen als die Menge, die tatsächlich gefüttert wird. Darüber hinaus erhielten die Stuten in dieser Studie auch eine kleine Portion Kraftfutter. Stuten, die größere Mengen Kraftfutter erhalten, werden mit weniger Heu auskommen.

Kraftfutter und Ergänzungsfuttermittel

Neben Weidegang und/oder Heu erhalten Zuchtstuten oft ein kommerziell produziertes Kraftfutter und Ergänzungsfutter zugeführt. Die Bezeichnung Kraftfutter verweist auf Futter, das aus einer Konzentration hochkalorischer Nahrung besteht. Gängige Kraftfutter, wie Hafer, Mais und andere Getreidekörner bilden eine gute Energiequelle, haben aber einen niedrigen Gehalt an Calcium, Vitamin E und anderen notwendigen Nährstoffen. Kommerziell hergestelltes Kraftfutter hingegen enthält im Allgemeinen neben Getreidekörnern auch ergänzende Futterbestandteile. Kraftfutter wird der Ration einer Stute hinzugefügt, wenn der Raufutteranteil die Stute nicht mit ausreichend Kalorien versorgt. Die meisten Stuten müssen in der späten Trächtigkeit Kraftfutter erhalten. Stuten kleiner, genügsamer Rassen erhalten in später Trächtigkeit weniger Kraftfutter.  

Ergänzungsfuttermittel sind eine Quelle von Vitaminen, Mineralien und manchmal von Eiweißen. Diese werden in kleinen Mengen gegeben (gewöhnlich ein halbes bis ein Kilo pro Tag), wenn die Stute mit Weidegang oder Heu ausreichend Kalorien aufnimmt. Ein Beispiel: wenn eine Stute auf Grundlage von ausschließlich Weidegang oder Heu ihren Condition Score von 6 erhalten kann, dann braucht sie keine zusätzlichen Kalorien übers Kraftfutter. Was sie allerdings braucht, sind die viele Mineralstoffe, die in den Ergänzunsfuttermitteln sind. Für Stuten, die einen zu niedrigen BCS haben bei einer Ration, die nur aus Heu besteht, ist es anzuraten, ein kommerziell produziertes Kraftfutter zuzufüttern, oder ein gängiges Kraftfutter in Kombination mit einem Ergänzungsfutter.

Zusammengefasst können wir feststellen, dass Heu genügen kann, um durch den Winter zu kommen, doch hängt das von der Qualität des Heus ab. Häufiger wird, auf Grundlage einer Nährwertanalyse mit Luzerne oder einem Ergänzungsfutter zugefüttert werden müssen. Tatsache ist, dass es keine schlüssige Formel gibt: das Auge des Herrn macht die Pferde fett.

Entwurmung und Impfung sind ein Muss

Was man im Winter ebensowenig aus den Augen verlieren darf, ist das Entwurmen von Fohlen und anderen Pferden. Das macht man am besten nach Rücksprache mit seinem Tierarzt, denn es gibt unendlich viele Analysen und Schemata zur Entwurmung im Internet zu finden. Das Entwurmungsschema ist von verschiedenen Kriterien abhängig, z.B. dem Lebensalter der Pferde, der Anzahl der Pferde pro Weide, der Resistenzentwicklung, ... Neben der Standardentwurmung, vier Mal pro Jahr, ist es immer auch ratsam, regelmäßig Kotuntersuchungen durchführen zu lassen. So kann man beispielweise erkennen, ob sich bei den eigenen Stuten eine Resistenz gegen bestimmte Wurmkuren entwickelt hat.

Hinzu kommt, dass die Gefahr durch Würmer begreiflicherweise auf einem kargen Grasland mit Gras von 2 cm Länge größer ist als auf einer üppigen Weide mit Grashalmen von 20 cm Länge. Am Ende des Sommers oder im Herbst, wenn das Weideland weniger Gras bietet, ist die Gefahr also größer, dass ihr Fohlen/Pferd Würmer bekommt. Entwurmen ist ein absolutes Muss, wenn die Pferde im Winter in den Stall kommen.

Neben der Entwurmung ist auch die Impfung ihrer Zuchtstute wichtig. Auf diese Weise kann die Stute Abwehrstoffe gegen die Krankheiten entwickeln, gegen die sie geimpft wurde. Über die Milch werden diese Antikörper an das Fohlen weitergegeben, sodass das Fohlen geschützt ist. Es ist ratsam, jährlich sein Pferd gegen Influenza und Tetanus zu impfen und diese Impfung einen Monat vor dem Abfohlen zu wiederholen. Außerdem impft man die tragende Stute besser auch noch gegen Rhinopneumonie. Das geschieht 3, 5 und 7 Monate nach dem Deckdatum.

Als Letztes ist eine allgemeine Gesundheitkontrolle vorgesehen, wenn die Pferde in den Winter gehen. Man denke hier beispielsweise an das Gebiss seines Pferdes. Ein schlechtes Gebiss stört die Futteraufnahme und kann daher einige Probleme verursachen. Aus diesem Grund sollte man alle zwei Jahre das Gebiss eben vom Tierarzt oder Pferdezahnarzt nachsehen lassen. Die Hufe müssen ebenso nachgesehen werden. Idealerweise lässt man die Hufe alle zwei Monate ausschneiden. Auch bei den Fohlen ist anzuraten, den Hufschmied zu beauftragen, um so Fehlstellungen vorzubeugen.

 

 

 

 

Diese Website verwendet Cookies. Auf diese Weise können wir sicherstellen, dass Ihre Browser-Erfahrung noch angenehmer wird.
Mehr erfahren?