Z in Tokio - Clockwise of Greenhill Z, selektiert für Tokio

 

 

 

Am 3. August starten bei der Olympiade in Tokio die olympischen Springprüfungen.

 

Am 5. Juli, dem Tag nach dem CSIO Rotterdam, ist die Deadline für die Nennungen. Welche Z-Pferde kommen in Anmerkung, stehen auf der Shortlist oder sind schon für Tokio nominiert? Wir bröseln es für Sie auf...

 

Clockwise of Greenhill Z, selektiert für Tokio

Das erste Z-Pferd, das sein olympisches Ticket in der Tasche hat, ist Clockwise of Greenhill Z (Clearway x Caretino) mit Uma O’Neill aus Neuseeland. Der Familienname von Uma verweist auf die bekannte Sportbekleidungsmarke.

Clockwise of Greenhill Z wurde in Limburg bei Philip Gysbrechts geboren. Er ist Osteopath von Beruf, das Anreiten und Ausbilden von Pferden ist sein Hobby, die Zucht seine Passion: „Uma O’Neill hat mich selbst über ihre Selektion informiert. Sie stand schon einige Zeit auf der Shortlist und freute sich natürlich über ihre Nominierung. Ich hatte Tränen in den Augen. Uma ist 26, Clockwise war siebenjährig, als sie ihn vor inzwischen sieben Jahren kaufte. Sie haben einander gefunden und groß gemacht, mit einer olympischen Selektion als Höhepunkt. Wie groß – oder besser, wie klein – ist die Chance, dass man ein olympisches Pferd züchtet? Das ist mit keinen Worten zu beschreiben, ich werde noch ganz still davon", sagt Philip Gysbrechts.

Clockwise of Greenhill Z & Uma O'Nell

Die Zuchtstute, die sein Leben veränderte, war Gala, eine Tochter von Caretino a. d. Corlanda III (Landgraf I). Mit Ausnahme ihres letzten Fohlens hat sie all ihre Söhne und Töchter selbst ausgetragen. Elf insgesamt, acht von ihnen springen international von Nationenpreisen bis zu World Cups. Wie so oft hat ein außergewöhnliches Pferd eine besondere Geschichte. So war Philip Gysbrechts ganz weg von Cassini I, aber weil die Fohlen so teuer waren, kaufte er eine noble, unbekannte Stute, die von Cassini I tragend war. Ein Wagnis: gekauft ohne sie gesehen zu haben. Gala blieb lange auf dem Radar. Sie wurde 26 Jahre alt und ging vor einigen Jahren ein.

„Von Kindesbeinen an war ich pferdenärrisch. Nur war zuhause nicht viel Zeit, um meinen Bruder und mich zur Reithalle zu bringen. Meine Eltern sind geschieden, mein Vater ist Kardiologe. Eine Freundin meiner Mutter ging mit ihrer Tochter zur Reithalle und nahm uns einmal mit. Ich war sechs Jahre alt und wollte so gern ein eigenes Pferd haben, aber das war keine Option. Ich las alle Magazine und studierte alle Abstammungen. Als ich vierzehn war, kaufte mein Vater dann doch ein Pferd, einen Zweijährigen. Mit dem konnte ich schon in den Wald reiten. Ich schloss mich der Ländlichen Reitervereinigung Schoot an. Mit einem Trecker und einem Viehwagen ging es zum Turnier.

Ich musste mich abrackern und quälen, um reiten zu können“, erzählt Philip Gysbrechts, der später ein Praktikum bei Ulrich Kirchhoff machte. „Meine Mutter ist Interieurdesignerin und hatte einen deutschen Kunden in Lanaken. Durch ihn kam ich zu Kirchhoff. Es hat jedoch fünf Jahre gedauert, bis ich hingehen durfte. Zuhause bildete ich Pferde aus, um sie dann zu verkaufen. Das war meine einzige Art, weiter reiten zu können, und das ist jetzt noch so. Wegen Corona habe ich zum ersten Mal zwei Achtjährige. Es ist außergewöhnlich, dass sie bei mir so alt werden.

Sportliche Ambitionen hat es immer gegeben, aber wie realisiert man die Ambition ohne einige Unterstützung, Fachkenntnis und Erfahrung? Ich habe mich ohne Erfolg bei renommierten Ställen beworben. Außerdem war das für meine Eltern keine Option. Mein Vater bezahlte den Stall für mein Pferd, wenn ich mit dem Studium aufhören würde, würde der Kran zugedreht.  Dann steht man mit dem Rücken an der Wand. Meine Eltern wollten, dass ich studierte und zwar nicht irgend etwas: Medizin oder Veterinärmedizin. Es wurde Veterinärmedizin, aber ich wollte lieber reiten. Ich habe einen Monat im Haus gesessen und stand bereit, um mit meinem Pferd zu Ulrich Kirchhoff zu gehen. Ich wollte meiner Passion folgen. Am Abend bekam ich einen Tritt von meinem Pferd und konnte nicht auf den Beinen stehen. Am gleichen Abend habe ich zum ersten Mal ein  gutes Gespräch mit meinem Vater gehabt. Er wollte, mit den besten Absichten, dass ich (Veterinär)Medizin studierte. Ich verstand ihn, aber ich wollte etwas anderes. Der Kompromiss wurde, dass ich Bewegungstherapie studieren würde, mit Pferdeosteopathie im Hinterkopf“. Wie ein Tritt von einem Pferd das Leben von einem bestimmen kann?  „Vielleicht wäre ich jetzt Reiter in Deutschland? Oder war es die Überlegung, dass ich doch kein Topreiter bin? Oder sah ich es zu rosarot an und ein Job als Reiter war für mich nicht bestimmt? Es ist Zufall, und das Schicksal hat es anders bestimmt. Ich studierte also Heilgymnastik und nach den Lektionen bildete ich junge Pferde aus. Das hatte ich inzwischen begriffen: wenn man Pferde ausbilden kann, kann man sich damit sein Brot verdienen. Das war meine Sicherheit, und habe bin dabei geblieben“.

 Als Fünf- und Sechsjähriger nahm er mit Philip Gysbrechts an der WM für Junge Pferde teil.

Cassini I

„Das erste Pferd, an das ich mich erinnere, war Cassini I. Von dem habe ich alle Videos gesehen. Ich war völlig weg von ihm. So ging ich nach Deutschland, um Fohlen von Cassini I anzuschauen und um eins zu kaufen. Leider zu teuer für mich. Cassini-Fohlen kaufte man von 12.500 Euro aufwärts. Bei meiner Suche sprang mir eine Stute ins Auge, Gala von Caretino x Landgraf I x Cor de La Bryere. Und sie war tragend von Cassini I. Ich sah sie nur auf einem Foto und habe sie so gekauft. Das war ein pures Wagnis. Das bewusste Fohlen, Chaplin, wurde 2006 geboren und gefiel besonders gut. Ihr zweites Fohlen war Clockwise of Greenhill Z (Clearway), das Dritte Carreau of Greenhill Z (Clintissimo Z). Die drei ersten springen alle 1,60 m. Ich habe sie ausgebildet und verkauft“.

Clockwise of Greenhill Z

Clockwise lernte das Fach von Philip. Als Dreijähriger wurde er Vierter im Freispringen während des Z-Festivals. Einige Monate später wurde Clockwise durch das Studbook Zangersheide gekört.

Als Fünf- und Sechsjähriger nahm er mit Philip Gysbrechts an der WM für Junge Pferde teil. Als Siebenjähriger wurde Clockwise ein paar Monate vor der WM an Paul Schockemöhle verkauft. „Clockwise zeichnete sich als Siebenjähriger aus. Nach seinem Sieg in Bonheiden wurde ich von Schockemöhle mit der Frage angesprochen, ob ich meinen Hengst nicht vorstellen wolle? Ich fühlte mich geehrt, aber die Frage überfiel mich. Paul war korrekt. Wenn wir ihn nicht kaufen, bekommen Sie 1.000 Euro für Ihre Unkosten, sagte er. Ich also mit Clockwise nach Deutschland. Er wurde ausprobiert, das gefiel, denn Clockwise wurde gleich weiter in die Klinik zur Untersuchung geschickt. Auch da keine Bemerkungen. Dann baten sie mich ins Büro, wo sie sich nach meiner Kontonummer erkundigten. Ich wollte an dem Wochenende noch zum Turnier, aber soweit ist es nicht gekommen. Ich fuhr mit einem leeren Kleintransporter nach Hause. Das hatte ich nicht vorausgesehen und habe auch eine Träne weggedrückt. Einige Monate später traf ich Paul Schockemöhle bei der WM und erkundigte mich nach Clockwise. Er war nicht amüsiert und sagte, dass Clockwise nicht so gut sei, wie er gedacht hatte. Er habe ihn an Uma O’Neill verkauft, die zwei Pferde von ihm erwarb. Wissen Sie, was meiner Meinung nach der Unterschied ist? Bei mir war Clockwise der König, und so wird er auch von Uma O’Neill behandelt. Sie kaufte Clockwise, als er sieben und sie 19 Jahre alt war. Sie waren beide grün und unerfahren und haben alles voneinander gelernt. Und sehen Sie nur, wo sie jetzt stehen! Welch schöner Parcours, den sie zusammen bestritten haben.

Uma bezeichnet ihn als ein ,once in a lifetime horse'. Sie wohnt in Kalifornien, und wir haben noch regelmäßig Kontakt. Früher ist sie sogar gekommen, um sich andere Nachkommen von Gala anzusehen. Uma hat jetzt ein Fohlen von Clockwise. Seine bedeutendste Eigenschaft ist sein großes Herz. Wenn man ihn für sich gewinnen kann, macht er alles für einen. Er ist auch gewitzt, in der Piste kann er vieles lösen. Ich werde an meinen Bildschirm geklebt sitzen, wenn er in Tokio in Aktion tritt“.

Programm:

Dienstag, 3. August: Individuelle Qualifikation

Mittwoch, 4. August: Individuelles Finale

Freitag, 6. August: Qualifikation Nationenpreis

Sonnabend, 7. August: Finale Nationenpreis

 

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